• Aufbau Erde schematisch mit Statistiken im Hintergrund

Wie der „schlaue Klaus“ Fehler verhindert

Aktuelles

Erfa-Kreis „Elektronikproduktion im Maschinenbau“ bei Ziehl-Abegg in Künzelsau

Die Nachverfolgbarkeit von Bauteilen und das manuelle Bestückung von Leiterplatten standen im Zentrum einer Experten-Tagung des Erfahrungskreises (Erfa-Kreis) „Elektronikproduktion im Maschinenbau“ an der Universität Erlangen-Nürnberg. Als Anschauungsobjekt diente die Leiterplattenfertigung von Ziehl-Abegg in Künzelsau.

Das Wissen aus dem Studium in der Praxis anwenden und diese Erfahrung mit anderen Experten teilen – so lässt sich die Zielrichtung des Erfa-Kreises „Elektronikproduktion im Maschinenbau“ zusammenfassen. Geleitet werden diese Zusammenkünfte von Prof. Dr.-Ing. Jörg Franke. Franke leitet den Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik an der Friedrich-Alexander-Universität. „Ich schätze den kollegialen Austausch, weil er sehr praxisorientiert ist und weit über den eigenen Tellerrand hinausgeht“, sagt Hermann Mütsch. Der 58-Jährige ist Leiter der Elektronikproduktion bei Ziehl-Abegg; das Unternehmen war Gastgeber der jüngsten Tagung.

Der Elektromotoren- und Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg setzt durchgehend auf eine hohe Fertigungstiefe. Dazu gehört auch das hausinterne Bestücken der Leiterplatten für die Elektromotoren und Regelgeräte. Seit rund zwei Jahren setzt Mütsch das neuartige System „Schlauer Klaus“ ein. Die Software überwacht die manuelle Durchsteck-Bestückung, die so genannte THT-Bestückung (through-hole technology). „Wenn hier Fehler passieren, wird dies oft sehr viel später bemerkt und muss mit hohem Aufwand wieder behoben werden“, erklärt Mütsch. Bildschirme, die den Bestückerinnen am jeweiligen Arbeitsplatz anzeigen, welches Teil noch platziert werden muss, werden nur in der Einarbeitung beachtet. „Was zählt, ist der gelbe Smiley, wenn alles richtig platziert ist“, sagt Mütsch. Dadurch können die Bestückerinnen viel zügiger arbeiten, als ohne die sofortige Rückmeldung. „Die Sorge vor Fehlern sinkt, weil ja jeder Fehler gleich auffällt und selbstständig von der Bestückerin korrigiert werden kann.“ Dadurch ist die Fehlerquote bei Ziehl-Abegg in diesem Bereich auf null gesunken.

Einblick gab es in Künzelsau auch in die Nachverfolgbarkeit von Bauteilen. Jochen Brandt zeigte auf, wie das Unternehmen von der Anlieferung über die Verarbeitung bis hin zum Versand Traceability umsetzt. Achim Kärcher, der Leiter des technischen Prüflabors bei Ziehl-Abegg, führte die Teilnehmer durch den weltgrößten kombinierten Mess- und Prüfstand für Ventilatoren.

Prof. Franke lobte den großen Praxisbezug bei der Veranstaltung in Künzelsau. „Es ist schön zu sehen, wie bei Ziehl-Abegg als Mittelständler eine moderne Elektronikfertigung aufgebaut worden ist und stetig erweitert wird.“
„Der Blick ins Entwicklungszentrum hat das Treffen sehr gut abgerundet.“

 

Über Ziehl-Abegg

Ziehl-Abegg (Künzelsau, Baden-Württemberg, Deutschland) gehört zu den international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Ziehl-Abegg hat schon in den fünfziger Jahren die Basis für moderne Ventilatorenantriebe gesetzt: Außenläufermotoren, die noch heute weltweit Stand der Technik sind. Ein weiterer Bereich sind elektrische Motoren, die beispielsweise in Aufzügen, medizinischen Anwendungen (Computertomographen) oder Tiefsee-Unterwasserfahrzeugen für Antrieb sorgen. Das Thema Elektromobilität im Straßenverkehr wurde 2012 bei Ziehl-Abegg Automotive angesiedelt.

Das High-Tech-Unternehmen besticht durch eine hohe Innovationskraft. Ziehl-Abegg beschäftigt 2.200 Mitarbeiter in süddeutschen Produktionswerken. Weltweit arbeiten für das Unternehmen 3.900 Mitarbeiter. Diese verteilen sich global auf 16 Produktionswerke, 28 Gesellschaften und 108 Vertriebsstandorte. Die rund 30.000 Artikel werden in mehr als 100 Ländern verkauft. Der Umsatz lag 2017 bei 540 Mio. Euro. Dreiviertel der Umsätze werden im Export erzielt.

Emil Ziehl hat die Firma 1910 in Berlin als Hersteller von Elektromotoren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Süddeutschland verlegt. Die Ziehl-Abegg SE ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.

Weitere Informationen auf www.ziehl-abegg.de