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Ziehl-Abegg feiert 50 Jahre Produktion in Schöntal-Bieringen

Unternehmen Allgemein

Weltweit einmaliges Knowhow

Wer bei Ziehl-Abegg an Bieringen denkt, hat oft nur die Gießerei im Sinn. Natürlich befindet sich in diesem Schöntaler Ortsteil die weltweit einzige Druckgießerei, in welche Rotoren aus Aluminium bis zu einer Größe von einem Meter in einem Schuss gegossen werden können – doch die Leistung der 550 Mitarbeiter geht weit über das bloße Gießen hinaus: Seit 50 Jahren steht Ziehl-Abegg Bieringen für geballte Kompetenz in Sachen Axialventilatoren und hat wegweisende Technologien entwickelt, die mittlerweile Standard in der globalen Ventilatorenindustrie sind.

Untrennbar mit Ziehl-Abegg in Bieringen verbunden ist der Name des früheren Werkleiter Helmut Friedl. Er bereitete schon ab Mitte 1964 mit 10 Mitarbeitern die Basis für den Start der Produktion; der Kauf des Geländes fand 1965 statt. Mit einer Mannschaft von 25 Mitarbeitern begann Friedl dann als Zulieferer für das Zentralwerk in Künzelsau. Nach und nach bezog er die Hallen der ehemaligen Weberei, Ziel war es, im Erlenbachtal die Produktion der Außenläufermotoren anzusiedeln.

Bereits nach 11 Jahren stand der erste Erweiterungsbau an. Die vorhandenen 2300 Quadratmeter Produktionsfläche reichten für das Wachstum nicht mehr aus. Für rund 600.000 Mark baute das Unternehmen an die Shedhallen vier weitere Hallen für die Blechfertigung. Das Wachstum von Ziehl-Abegg in Bieringen konnte weiter vorangehen.

In den 80er Jahren arbeiteten in Bieringen bereits 280 Menschen. Weil in der Gegend zwischen Kocher- und Jagsttal der Fokus noch auf der Landwirtschaft lag, beäugten viele Bauern das industrielle Treiben und Wachsen mit Argwohn. „Ich sicherte jedem zu, der uns ein Grundstück verkaufte, dass seine Kinder bei uns eine Ausbildungsstelle erhalten“, erinnert sich Friedl. Nachdem die ersten Jung-Bieringer tatsächlich so zu Ziehl-Abegg gekommen waren, hatte Friedl – und damit Ziehl-Abegg – das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen.

Wie stark sich die Mitarbeiter in Bieringen mit „ihrem“ Werk identifizierten, zeigte sich im Dezember 1993: Kurz vor Weihnachten trat der Erlenbach so über die Ufer, dass um 22 Uhr Wasser in die Gießerei eindrang. Unter der Führung von Helmut Friedl versuchten die Mitarbeiter noch größeren Schaden abzuwenden. Selbst als die EVS nach Mitternacht den Strom abschaltete, arbeiteten alle mit Notlampen weiter. Die Lage war dramatisch, weil Holzstämme aus den Sägewerken in von Aschhausen und Bieringen an der Erlenbachbrücke einen Staudamm gebildet hatten. An der Westseite des Werkes rissen die Wassermassen Schrott- und Metallbehälter mit. Die Frühschichtler, die um 5 Uhr eintrafen, gingen kurzerhand wieder nach Hause – um mit wasserfester Kleidung gleich wieder im Werk zu erscheinen.

Und schon wieder drohte das Werk aus allen Nähten zu platzen: am 6. Mai 1994 gab es daher den ersten Spatenstich für die nächste Erweiterung. Ziel war die Fokussierung der Lufttechnik im Erlenbachtal. Leistungszentrum statt Zentralisierung lautete die Devise, die anfangs doch recht umstritten war. Denn die Idee von Helmut Friedl galt bei den Kollegen in Künzelsau als nicht umsetzbar. Doch der Werkleiter überzeugte – und nach der Erweiterung Mitte der 90-er Jahre gab es in Bieringen 20.000 Quadratmeter Produktionsfläche. 460 Menschen standen dort in Lohn und Brot. Höhepunkt der Erweiterung war die Einweihung einer so genannten Power & Free-Anlage: das Fördersystem transportiert computergesteuert Rohmaterialien, Teilfertigware und Endprodukte durch das gesamte Werk. Die Länge des Systems, das über mehrere Etagen verteilt ist, beträgt 4 Kilometer.

Seit einer zusätzlichen Erweiterung nach der Jahrtausendwende sind die räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten am Standort Bieringen voll ausgeschöpft. Damals wurden für die Gießerei neue Gebäude errichtet und der Versandbereich vergrößert, zudem der Service ausgebaut. Das Augenmerk der Geschäftsleitung liegt seitdem auf der Optimierung der Abläufe und der Modernisierung der Fertigungsanlagen. Der Umzug des Bereiches Service nach Künzelsau im Frühjahr 2015 brachte weitere Möglichkeiten zur optimalen Organisation der Abläufe im Bieringer Werk, die jetzt nach und nach umgesetzt werden. Pro Woche werden dort bei Ziehl-Abegg 100 Tonnen an Aluminium-Barren eingeschmolzen, um später als Ventilator wieder das Werk zu verlassen.

„Ich zolle den Mitarbeitern in Bieringen höchsten Respekt“ sagt Peter Fenkl. Der Vorstandsvorsitzende ist auf allen Kontinenten unterwegs, um bei Kunden neue Trends aufzunehmen – „doch nirgendwo auf der Welt gibt es eine Gießerei, die Ventilatoren bis zu einer Größe von einem Meter ‚in einem Schuss‘ herstellt“. Selbst die bionischen Eulen-Ventilatoren, deren Kennzeichen gezackte Hinterkanten sind, waren für die Experten in Bieringen eine machbare Herausforderung: „Das flüssige Aluminium läuft bis in die letzte Zacke, ohne vorher in der Form abzukühlen – das schafft sonst keiner. Eine Meisterleistung unserer Gießereimeister und Ingenieure“, freut sich Fenkl.

Aktuell arbeiten im Bieringer Werk von Ziehl-Abegg 550 Menschen, etwa zehn Prozent sind Frauen. „Wir stellen jährlich rund eine Million Motoren und Ventilatoren her“, betont Werkleiter Ralf Heiland, der die Leitung des Werks Ende 2013 von Günter Kress übernommen hat. Heiland legt Wert darauf, dass Bieringen innerhalb des ZIEHL-ABEGG-Verbundes kein reiner Zulieferer ist: „Wir produzieren komplette Ventilatoren mit Motor, Steuerungseinheit und Schutzgitter.“ Wer in einem Supermarkt einkauft, sein Handy benutzt oder Strom aus der Steckdose bezieht: mit großer Wahrscheinlichkeit sorgt ein Ventilator aus Bieringen dafür, dass Kühlung und Belüftung der Technik hinter den Kulissen stimmt. Offensichtlich ist der Einsatz von Ventilatoren meist nur bei der Belüftung von Tierställen – schon bei der Kühlung von Milch oder Fleisch arbeiten die Produkte aus Bieringen zuverlässig und leise fast unsichtbar für jeden Laien.

Insgesamt gibt es im Werk Bieringen von Ziehl-Abegg 31.700 Quadratmeter überdachte Fläche – und dennoch passen sich die Gebäude dem Verlauf des Erlenbachs und der Talform ideal an. Besonders Besucher aus anderen Regionen Deutschlands oder dem Ausland staunen über diese gelungene Symbiose von Natur und Produktionsunternehmen. Und auch für die Menschen rund um Schöntal ist der wohnortnahe Arbeitsplatz im landschaftlich sehenswerten Erlenbachtal ein wichtiger Aspekt.