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Akustik Definition

Akustik bezeichnet allgemein die wissenschaftliche Lehre des Schalls, von dessen Entstehung, Ausbreitung und Wahrnehmung, bzw. Auswirkung. Zu den Anwendungen der Akustik gehört unter anderem die Untersuchung und Reduzierung von Lärm. Eine Grundvoraussetzung zur Ausbreitung von Schall ist das Vorhandensein von Materie, bzw. einem gasförmigen, flüssigen oder festen Trägermedium der Schallwellen. Die Beschaffenheit des Trägermediums beeinflusst maßgeblich die Geschwindigkeit, mit der sich der Schall ausbreitet, die sogenannte Schallgeschwindigkeit.

Wird der Schall aerodynamisch erzeugt, also durch die Bewegung von Luftmolekülen, spricht man von der Aeroakustik.

 Hätten Sie´s gewusst: Wie hoch ist die Schallgeschwindigkeit?

Grundlagen der Aeroakustik

Lärm ist nicht nur unangenehm in der Wahrnehmung, sondern kann sich in Extremfällen auch stark gesundheitsschädigend auswirken. Schalldruck, Schallleistung und Frequenz sind drei physikalische Größen, durch die der Lärmpegel quantifiziert werden kann.

Schalldruck

Schalldruck bezeichnet durch Schallwellen verursachte Druckschwankungen in einem festen, flüssigen oder gasförmigen Medium. Der Schalldruck wird als senkrecht auf eine Fläche wirkende Kraft in Pascal (Pa) gemessen. Der Schalldruckpegel wird beeinflusst durch die Entfernung zwischen Schallquelle und Empfänger sowie möglichen Hindernissen, z.B. in einem Raum und stellt damit eine ortsabhängige Größe dar.
Die menschliche Hörschwelle liegt bei ca. 0,00002 Pa, die Schmerzschwelle (je nach persönlicher Geräuschempfindlichkeit) bei ca. 20 Pa. Zur Vereinfachung dieses weiten Bereichs wird der Schalldruckpegel in der logarithmischen Skala ausgedrückt und in Dezibel (dB) quantifiziert.

Schallleistung

Schallleistung (= Quellstärke) bezeichnet die Energie, die von einer Schallquelle pro Zeiteinheit abgegeben wird und damit eine ortsunabhängige Größe. Somit stellt der Schalldruck die Berechnungsgrundlage für die Schallleistung dar und ermöglicht einen objektiven Vergleich verschiedener Schallquellen unabhängig der Umgebungsbedingungen. Die Schallleistung wird durch Integration des Schalldrucks berechnet und in Watt (W) angegeben. 

Ähnlich wie der Schalldruckpegel p wird auch der Schallleistungspegel P in der logarithmischen Skala ausgedrückt und in Dezibel (dB) angegeben.

Schalldruck Formel
Schallleistung Formel

Frequenz

Frequenz ist ein Maß für die Anzahl periodischer Vorgänge (z.B. Schwingungen der Schallwellen), die sich in einer bestimmten Zeiteinheit wiederholen. In der Akustik gibt die Frequenz an, wie oft ein Schallsignal innerhalb einer Sekunde schwingt, bzw. wie viele Wiederholungen einer fortlaufenden Schwingung innerhalb einer Sekunde aufeinander folgen. Die Frequenz wird in Hertz (Hz) gemessen, wobei 1 Hertz einer Schwingung pro Sekunde entspricht. 
Der für den Menschen hörbare Frequenzbereich liegt zwischen 16 und 20000 Hz (20 kHz).

Aufgrund der Tatsache, dass das menschliche Hörempfinden Töne gleichen Schalldrucks, jedoch unterschiedlicher Frequenzen unterschiedlich laut antizipiert, wird das Frequenzspektrum einer Schallquelle bewertet.
Diese Bewertung erfolgt anhand drei verschiedener Filter, die von A (unter 55 dB) bis C (über 85 dB) definiert sind. Der Schallleistungspegel, unter Berücksichtigung des A-Filters, wird häufig in Verbindung mit lufttechnischen Anlagen verwendet und der entsprechende Zahlenwert in der Einheit dB(A) angegeben.

Zusammengefasst ist Schall eine subjektive Empfindungsgröße, die durch eine oder mehrere Frequenzen mit entsprechenden Amplituden charakterisiert ist und durch eine dem Menschen angepasste Bewertung quantifiziert wird.

Messverfahren der Aeroakustik von Ventilatoren

Neben der Luftleistung und elektrischen Daten wird auch die Akustik lufttechnischer Produkte sorgfältig geprüft und obliegt Standards und Normen. Die Messungen werden in der Regel in einem reflexionsarmen Kammerprüfstand, in einem Prüfkanal oder als Freifeldmessung durchgeführt. Die Anzahl und die Positionierung der Mikrofone wird durch entsprechende Normen vorgegeben.

Der zu prüfende Ventilator (Prüfling) kann dabei in unterschiedlichen Einbauarten, bzw. in verschiedenen Messkategorien geprüft werden (vgl. ISO 13349):

  • Einbauart A: Frei ansaugend und frei abblasend
  • Einbauart B: Frei ansaugend und rohrleitungsgeführt abblasend
  • Einbauart C: Rohrleitungsgeführt ansaugend und frei abblasend
  • Einbauart D: Rohrleitungsgeführt ansaugend und rohrleitungsgeführt abblasend
  • Einbauart E: Frei ansaugend und frei abblasend ohne Scheidewand

Geprüfte Innovation: Das Entwicklungszentrum InVent von ZIEHL-ABEGG verfügt über den aktuell größten und modernsten Kombiprüfstand der Welt!

Standards & Normen

Messverfahren zur akustischen Bewertung von Ventilatoren werden von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) in bestimmten Normen und Standards geregelt, um eine Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit zu ermöglichen:

  • DIN EN ISO 3745 enthält Bestimmungen der Schallleistungs- und Schallenergiepegel von Geräuschquellen aus Schalldruckmessungen.
  • DIN ISO 5801 regelt die Leistungsmessung von Ventilatoren auf genormten Prüfständen, z.B. durch geometrische Mindestabmessungen, Volumenstrom, statischer Druck, etc.
  • DIN ISO 13347-3 enthält Bestimmungen der Schallleistungspegel unter genormten Laborbedingungen für Industrieventilatoren
  • AMCA 210 ist neben der ISO 5801 eine weltweit anerkannte Norm für den Bau von Ventilator Prüfständen, definiert durch die Air Movement and Control Association International, Inc. (AMCA)

Geräuschentwicklung im Lüftungssystem

Ein Lüftungssystem besteht aus verschiedenen Komponenten und enthält deswegen unterschiedliche Schallquellen, die verschiedene Geräuscharten erzeugen (Beispiele):

  • Aerodynamische Geräusche: Der Ventilator beschleunigt die Luft und erzeugt damit eine Druckerhöhung, bzw. einen Volumenstrom, wodurch z.B. an den An- und Abströmkanten Turbulenzen und Verwirbelungen entstehen. Durch Reibungseffekte und Druckdifferenzen in stark verzweigten Luftkanälen, Kanten an den Anschlussstellen, Filter, Drosselklappen, Strömungsgeräusche an den Luftauslässen oder andere Faktoren, können aerodynamische Geräusche durch das gesamte System übertragen werden und bilden damit die dominante Geräuschart in einem Lüftungssystem.
  • Mechanische Geräusche können durch bewegliche Teile, wie Lager, Laufgeräusche des Elektromotors oder durch Vibrationen verursacht werden. In der Gesamtwahrnehmung sind mechanische Geräusche eher untergeordnet zu bewerten.
  • Körperschall entsteht durch die Übertragung von Schwingungen auf den Baukörper, was zu Resonanzen führen kann.
  • Elektrische Geräusche können z.B. durch das Regelsystem, elektronische Bauteile oder Magnete in Elektromotoren entstehen, sind allerdings in der gesamten Geräuschentwicklung einer lufttechnischen Anlage kaum wahrnehmbar.
  • Geräusche durch Luftaustritt können entstehen z.B. durch undichte Verbindungsstücke im Luftkanal oder Beschädigungen der Kanalwände. Neben den negativen Auswirkungen auf die Akustik entstehen dabei auch Verluste im Systemwirkungsgrad der Anlage.
Geräuschentwicklung in einem Lüftungssystem (Beispiele)

Aerodynamische Geräusche durch Verwirbelungen & Turbulenzen sind die dominante Geräuschart in einem Lüftungssystem

Laufräder können auf Effizienz & Akustik optimiert werden

Zusatzkomponenten (z.B. Filter) können verstopfen und sollten regelmäßig geprüft werden

Klappen an den Luftein- und Luftauslässen können mechanische Geräusche und/oder Strömungsgeräusche verursachen

Was macht einen Ventilator leise?

  • Optimierte Auslegung der Flügel-, bzw. Schaufelgeometrie hat erheblichen Einfluss auf die Geräuschemission des Laufrades. Durch eine gezielte Gestaltung der Flügel, bzw. Schaufeln kann die Strömung verbessert und dadurch die Schallabstrahlung minimiert werden. Computational Fluid Dynamics (CFD), eine numerische Strömungssimulation, ermöglicht dabei die detaillierte Analyse und eine Optimierung von Strömungseigenschaften, wodurch potenziell kritische Schallquellen frühzeitig erkannt und eliminiert werden können.
  • Optimale Dimensionierung, bzw. Auslegung der Anlage begünstigen die Akustik: Die Umfangsgeschwindigkeit des Laufrades beeinflusst den Schallleistungspegel während des Betriebes. Um einen dedizierten Volumenstrom zu erzeugen, arbeitet ein großes Laufrad leiser als ein kleineres mit vergleichbarer Schaufelgeometrie. 
  • Bionik bietet innovative Lösungsansätze, um die Aerodynamik und Aeroakustik von Ventilatoren zu optimieren. Dies kann zu einer signifikanten Verbesserung des Wirkungsgrades sowie einer deutlichen Reduktion der Geräuschemissionen führen.
  • Zusatzkomponenten, wie z.B. Vorleit- oder Nachleitgitter richten die Strömung gleich und verringern dadurch auftretende Turbulenzen oder Verwirbelungen, wodurch die aerodynamische Geräuschentwicklung deutlich reduziert wird.

Verbesserte Akustik in beengten Einbauverhältnissen: ZAflow von ZIEHL-ABEGG

Einfluss der Einbausituation

Die Einbausituation einer lufttechnischen Anlage hat einen erheblichen Einfluss auf deren Effizienz und Geräuschverhalten. Beispiele für wichtige Einflussfaktoren sind

  • Platzverhältnisse: Beengte Einbausituationen oder ungenügende Abstände zu Wänden oder anderen Hindernissen können unerwünschte Turbulenzen verursachen, die Schallwellen reflektieren und so den Gesamtschallpegel der Anlage erhöhen. Um dies zu verhindern, muss die Anlage hinsichtlich der Einbauverhältnisse und Anforderungen der Anwendung möglichst optimal konfiguriert, ausgelegt und dimensioniert sein.
  • Leitungssystem: Runde Luftkanäle und Verbindungsstücke erzeugen geringere Turbulenzen, Druckverluste und somit eine geringere Geräuschentwicklung als eckige, können aber nicht in jeder Einbausituation eingesetzt werden. Umlenkungen und Verzweigungen im Kanal wirken sich ebenfalls auf das Strömungsverhalten und die Aeroakustik aus. Ein zusätzlicher negativer Einflussfaktor sind Ablagerungen von Staub oder Verunreinigungen von Filtern, Kanalwänden oder anderen Oberflächen im System.
  • Zusatzkomponenten, wie z.B. verstopfte Filter, nicht optimal positionierte Dämpfer, Dichtungen oder Klappen können das Strömungsprofil negativ beeinflussen und ggf. zu einer höheren erforderlichen Leistung am Ventilator führen.
  • Raumakustik: Harte, schallreflektierende Oberflächen im Raum werfen die Schallwellen der Anlage zurück und erhöhen so den Schalldruckpegel und die empfundene Lautstärke im Raum.

Einfluss des Betriebspunktes

Der Betriebspunkt einer lufttechnischen Anlage hat einen direkten Einfluss auf deren Geräuschentwicklung. Eine fachlich qualifizierte und präzise Auslegung kann den Geräuschpegel während des Betriebs deutlich reduzieren.

  • Volumenstrom, Drücke, Fließgeschwindigkeit: Hohe Volumenströme bei geringen Leitungsdurchmessern bewirken gemäß der Kontinuitätsgleichung höhere Fließgeschwindigkeiten. Höhere Luftgeschwindigkeiten verursachen in der Regel eine höhere aeroakustische Geräuschentwicklung. In bestimmten Anwendungen, z.B. industriellen Absauganlagen, sind hohe Luftgeschwindigkeiten oder Drücke erforderlich, um den Zweck der Anlage zu erfüllen oder Ablagerungen im System zu verhindern.
  • Drehzahl: Für die Anwendung zu klein dimensionierte, bzw. nicht optimal konfigurierte Laufräder benötigen höhere Drehzahlen als größere Laufräder, um den gleichen, erforderlichen Volumenstrom zu erzeugen. Der erhöhte Drehzahlbereich kann dabei negative Auswirkungen auf den Systemwirkungsgrad der Anlage sowie auf deren Geräuschpegel haben. Größere Laufräder erzeugen den gleichen Volumenstrom bei einem geringeren Schallleistungspegel als kleinere Laufräder mit vergleichbarer Schaufelgeometrie aufgrund der Tatsache, dass sie eine geringere Drehzahl benötigen.
  • Regeltechnik: Wird der Ventilator in Verbindung mit einem Frequenzumrichter betrieben, können bei falscher Einstellung oder fehlerhafter Abstimmung zusätzliche Geräusche durch elektromagnetische Interferenzen oder Vibrationen entstehen. 

Beispiel: Kennlinie ZAbluefin RH50I-ZID.GG.CR

Akustik Ansaugseite

Akustik Druckseite

Schalldämmung & Schalldämpfung

Neben den konstruktiven Maßnahmen direkt am Ventilator (primäre Maßnahmen), können je nach Einbausituation, Anforderung der Anwendung und Kostensituation weitere, sekundäre Maßnahmen, wie Schalldämmung oder Schalldämpfung ergriffen werden, um die Lärmbelastung durch eine lufttechnische Anlage zu reduzieren.

Schalldämmung

Schalldämmung verhindert oder reduziert die Ausbreitung, bzw. Übertragung von Schall, z.B. durch bestimmte Gehäusematerialien, Wandstärken oder die Montage von Schwingungsdämpfern.

Schalldämpfung

Schalldämpfung bezeichnet die Umwandlung der Energie von Schallwellen in Form von Schwingungen in eine andere Energieform. Schalldämpfer können als verschiedene Typen oder Bauformen eingesetzt werden. So können beispielsweise Absorptionsschalldämpfer durch den Einsatz poröser oder faseriger Materialien Schallenergie aufnehmen und in Wärme umwandeln.

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